Stilles Wochenende

Wir haben fast ein Jahr lang nicht mit einander geredet. Unsere Leben gingen weiter. Wir haben Dinge erlebt, belebt und am Ende unsere Freundschaft wiederbelebt. Es war komisch. Es gab Kuchen und alles war wie früher, als hätte es das Jahr nicht gegeben, welches nun eigentlich zwischen uns stand. Ich war nicht wütend. Enttäuscht, aber nicht wütend. Und ihr tat’s Leid. Aber das stand gar nicht zwischen uns. Wir haben geredet, gelacht, geschwiegen, geträumt, geplant. Nebenbei haben wir uns die Erlebnisse eines ganzen Jahres am schönsten Platz in ganz Krempe erzählt, als ob es höchstens ein verlängertes Wochenende war. Silvester, Weihnachten, Geburtstage, Babypartys, Gilde und Kieler Woche. Seit dem scheint sich ihre Haarfarbe und meine Lippenfarbe verändert zu haben und sonst ist es wie immer. Wie sollte es auch sonst sein? Kein Streit lag dazwischen. Nur ein Jahr Stille. Zugegeben, diese Stille hat mich schrecklich gequält, sie hat mich einsam gemacht und ich bin an ihr nahezu verzweifelt. Aber sie war eben nur Stille und kein großer Knall. Kein Streit. Keine bösen Worte. Das Nichts stand dazwischen.

Und trotzdem war es wie ein Besuch in Belgien: Jemand, den man wahrscheinlich nie wieder sehen wird. Und deswegen wird auch nix geplant – denn das hatte ich mich nicht getraut. Zu sagen “Ey hier, lass mal…” Das war komisch. Nicht, dass da wieder Stille sein würde…

Tags: , , , ,

Eine Antwort zu „Stilles Wochenende“

  1. chSchlesinger sagt:

    Viele Menschen begegnen sich auf Ebenen, die nicht lebbar sind. Als beispielhaft empfinde ich reisefreudige junge Frauen: Während Männer noch überlegen, einige Monate Namibia einzuschieben, ist plötzlich von der “biologischen Uhr” die Rede, das man bitte “erwachsen” werden möge. Ob eine Doppelhaushälfte mit Rosenbogen nicht wundervoll sei?
    “Menschen ändern sich”, heißt es schulterzuckend, wenn wieder zwei im Netzwerk ihren Status in “Single” ändern.
    Merkwürdig nur, dass mir nachgesagt wird, mich nie geändert zu haben. Mir selbst kann ich treu bleiben, weil ich seit Jugendtagen lebe, was als Greis noch lebbar ist. In meinem Leben gibt es keine “Phasen”.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Log Out / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Log Out / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Log Out / Ändern )

Verbinde mit %s


Follow

Get every new post delivered to your Inbox.