Mama und Papa gehn zu Bett. Morgen sind sie um 14, 15 Uhr hier. Oder so. Unten hab ich immer noch kein Klingelschild. Mein Tesa ist auch gar nicht mehr da. Wo auch immer ich’s hingepackt hab…
Wenn ich wieder nach Hause komme, benutz ich als erstes die Badewanne. Und ich muss nicht mehr an einer feuchten Wand schlafen. Um die hab ich mich jetzt aber nicht gekümmert. Das müssen diejenigen nach mir machen.
Der Abschied war lockerflockig, nichts berauschendes. Ein nettes “au revoir” und gut ist. Von meinem Büro habe ich ein schönes Comicbuch bekommen, etwas richtig Belgisches eben.
Ich bin nicht mehr hier in Belgien. Aber auch nicht in Deutschland.
Tags: abschied
15. August 2010 um 11:46 |
Mein Horizont reichte damals nur bis Boostedt. Aber das genügte schon, den letzten Abend dort zu einem der glücklichsten meines Lebens zu machen. Während man im Mannschaftsheim der Kaserne feierte, ging ich durch die feierabendlich stillen Straßen von Boostedt. 21 Jahre jung, mit dem Schöpfer von Himmel und Erde in stetem Kontakt, wie auch mit den Unsterblichen der Philosophie. An den Rand ihrer weltberühmten Werke schrieb ich Gedanken, die ich für einmalig, ja genial hielt. Nein, das Kleingewerbe von Boostedt betraf mich so wenig wie jene Sterblichen, welche am Wegesrand Kleingärten pflegten oder Hunde Gassi führten. Alles schien mir nur eine Frage der Zeit. Weltstädte brauchte ich für meinen Größenwahn wahrlich nicht.
Realistisch gesehen erweitert sich unserer Horizont nach einer Weltreise höchstens um zusätzliche Gewürze in der Küche. Darüberhinaus können wir um unseres seelischen Gleichgewichts gar nicht anders, als uns wie freundliche Inquisitoren zu verhalten, die den Eingeborenen ihren Aberglauben nicht absprechen mögen. Wenn wirklich ein Deutscher zum Hinduismus konvertiert, dann vielleicht, weil er aus kaltem Elternhause kommt und sich in der Fremde wärmstens aufgenommen fühlt, dort gar ein Love-Bombing genießt: “Du reicher Westeuropäer bist der Mensch, auf den wir gewartet haben.”
19. August 2010 um 00:00 |
Du siehst die Dinge auf einmal ein wenig mehr von außen. Nicht mitten drin. Abstand bringt neue Erkenntnisse und der Horizont erweitert sich. Nicht mehr der Problemhahn ist Thema, oder wie die Frau Meyer gegenüber ihre Wäsche aufhängt. Jedenfalls nicht mehr für dich.
Und als Deutscher bist du Ausländer und Parallelgesellschaften erscheinen auf einmal ganz logisch und normal. Sehr nachvollziehbar.