Nachdem ich nun auch das Rückkehr-Seminar überlebt habe und quasi wieder eingebürgert und nochmal so richtig europäisch geschult wurde, bin ich jetzt offiziell keine Freiwillige mehr.
Um es kurz zu machen: Ich fand’s mies.
Ich hatte super viel Spaß mit den Leuten da, abends haben wir irische Sets getanzt, gesungen, Rätsel gerate, ich hab endlich das Dreieckspiel kapiert, es gab sehr viele interessante Gespräche, Eindrücke, Ideenaustausch, …
Aber das, warum ich eigentlich da war, also die Reflexion über mein Auslandsjahr, das ist gründlich schief gelaufen.
Ich hatte schon vor 1-3 Monaten damit abgeschlossen.
Als all meine Freunde auf einmal weg waren, ihre Freiwilligendienste ausliefen, sie sich von ihren Au Pairfamilien verabschiedet haben und jeder in seine Heimat zurückgegangen war, war mein EVS auch so gut wie vorbei. Ich hatte niemanden mehr, mit dem ich die großen Abenteuer erlebt hab, meine Entdeckungen konnte ich mit niemandem mehr teilen, meine Wochenenden waren nicht mehr gefüllt, … Ich hab nur noch meine Zeit abgesessen. Ich hab mich sogar noch extra in die totlangweilige Arbeit hineingesteigert, nur um nicht allein zu Haus zu sein. Ja, ich hatte Gemeinschaft in der Wohnung, aber ich wollte die Gemeinschaft nicht. Nicht für den letzten Monat. Ich wollte meine Freunde. Und als die gingen, bin ich eigentlich gedanklich auch schon aufgebrochen.
Der Abschlussbericht für die Nationalagentur musste in der letzten Woche geschrieben werden. Diesen Bericht hab ich ernst genommen, gute und schlechte Aspekte aufgelistet, Verbesserungsvorschläge gemacht, über meine Fortschritte nachgedacht.
Ich hatte nie das Gefühl, dass das EVS die Zeit meines Lebens war. Es gab viele geile Momente, die „Ich-liebe-mein-Leben-Momente“, wie wir sie nannten. Ganz bewusst das Leben genießen. Aber die Menschen, die mein EVS ausgemacht haben, sind größtenteils nicht mehr in Belgien und Belgien selbst wird nie mein Traumland werden, dank der Menschen, die dort leben. Die Belgier sind sehr nett und haben viele sympathische Eigenschaften, aber dieser Flandern-Wallonie-Konflikt schwebt selbst bei einem Europäischen Jugendprogramm so stark in der Luft, wie ich es kaum ertragen konnte. Das EVS war nicht schlecht, aber auch nicht wundertoll. Und das macht es schwer. Ich bin mit diesem Ergebnis nicht zufrieden.
Ich hab einiges gelernt, was mir vielleicht auch gar nicht so bewusst geworden ist. Aber ich bin auch verschlossener geworden. Und gleichgültiger.
Ich hab manchmal das Gefühl, ich kann mich nicht mehr richtig freuen und mich nicht mehr richtig ärgern. Alles ist irgendwie okay, so wie es ist und mein kämpferischer Veränderungsdrang ist nicht mehr vorhanden.
Und ich rede nicht mehr über mein Privatleben, so wie ich es noch vor einem Jahr getan hätte. Ich bin nicht mehr offen gegenüber Menschen . Seit Belgien schweige ich sehr viel. Und das macht mir Angst. Und ich find’s nicht gut.
Nach diesem Seminar ist diese unglaublich tiefgründige Melancholie wieder da. Ich schwebe, ich tänzel, ich bin aber nichts. Und mein EVS liegt weit zurück – und jetzt ist das alles wieder da.
Ich bin sehr traurig nach Haus gefahren.
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