Zu Hause

19. Oktober 2010

Ich bin jetzt zu Hause angekommen. Ich habe meine Freunde wieder und meine Familie. Ich weiß, was los ist, was abgeht. Ich bin wieder Teil dessen.

Auf dem Grundkurs der Pfadfinder, den ich mitgeleitet habe, bin ich nach Hause gekommen. Bei der ersten Singerunde hatte ich auf einmal das Gefühl „Jetzt“. Jetzt war ich wieder da, wo ich hingehöre. Unglaublich schön.

Danke dafür.

Mein EVS ist offiziell beendet

27. September 2010

Nachdem ich nun auch das Rückkehr-Seminar überlebt habe und quasi wieder eingebürgert und nochmal so richtig europäisch geschult wurde, bin ich jetzt offiziell keine Freiwillige mehr.

Um es kurz zu machen: Ich fand’s mies.

Ich hatte super viel Spaß mit den Leuten da, abends haben wir irische Sets getanzt, gesungen, Rätsel gerate, ich hab endlich das Dreieckspiel kapiert, es gab sehr viele interessante Gespräche, Eindrücke, Ideenaustausch, …

Aber das, warum ich eigentlich da war, also die Reflexion über mein Auslandsjahr, das ist gründlich schief gelaufen.

Ich hatte schon vor 1-3 Monaten damit abgeschlossen.

Als all meine Freunde auf einmal weg waren, ihre Freiwilligendienste ausliefen, sie sich von ihren Au Pairfamilien  verabschiedet haben und jeder in seine Heimat zurückgegangen war, war mein EVS auch so gut wie vorbei. Ich hatte niemanden mehr, mit dem ich die großen Abenteuer erlebt hab, meine Entdeckungen konnte ich mit niemandem mehr teilen, meine Wochenenden waren nicht mehr gefüllt, … Ich hab nur noch meine Zeit abgesessen. Ich hab mich sogar noch extra in die totlangweilige Arbeit hineingesteigert, nur um nicht allein zu Haus zu sein. Ja, ich hatte Gemeinschaft in der Wohnung, aber ich wollte die Gemeinschaft nicht. Nicht für den letzten Monat. Ich wollte meine Freunde. Und als die gingen, bin ich eigentlich gedanklich auch schon aufgebrochen.
Der Abschlussbericht für die Nationalagentur musste in der letzten Woche geschrieben werden. Diesen Bericht hab ich ernst genommen, gute und schlechte Aspekte aufgelistet, Verbesserungsvorschläge gemacht, über meine Fortschritte nachgedacht.

Ich hatte nie das Gefühl, dass das EVS die Zeit meines Lebens war. Es gab viele geile Momente, die „Ich-liebe-mein-Leben-Momente“, wie wir sie nannten. Ganz bewusst das Leben genießen. Aber die Menschen, die mein EVS ausgemacht haben, sind größtenteils nicht mehr in Belgien und Belgien selbst wird nie mein Traumland werden, dank der Menschen, die dort leben. Die Belgier sind sehr nett und haben viele sympathische Eigenschaften, aber dieser Flandern-Wallonie-Konflikt schwebt selbst bei einem Europäischen Jugendprogramm so stark in der Luft, wie ich es kaum ertragen konnte. Das EVS war nicht schlecht, aber auch nicht wundertoll. Und das macht es schwer. Ich bin mit diesem Ergebnis nicht zufrieden.

Ich hab einiges gelernt, was mir vielleicht auch gar nicht so bewusst geworden ist. Aber ich bin auch verschlossener geworden. Und gleichgültiger.

Ich hab manchmal das Gefühl, ich kann mich nicht mehr richtig freuen und mich nicht mehr richtig ärgern. Alles ist irgendwie okay, so wie es ist und mein kämpferischer Veränderungsdrang ist nicht mehr vorhanden.
Und ich rede nicht mehr über mein Privatleben, so wie ich es noch vor einem Jahr getan hätte. Ich bin nicht mehr offen gegenüber Menschen . Seit Belgien schweige ich sehr viel. Und das macht mir Angst. Und ich find’s nicht gut.

Nach diesem Seminar ist diese unglaublich tiefgründige Melancholie wieder da. Ich schwebe, ich tänzel, ich bin aber nichts. Und mein EVS liegt weit zurück – und jetzt ist das alles wieder da.

Ich bin sehr traurig nach Haus gefahren.

Mann, hab ich keinen Bock mehr

11. September 2010

Ich will wieder ausziehen.

Neues von der Nachfolgerin

8. September 2010

Meine Nachfolgerin, Marie, auch Deutsche, hält ihre Erlebnisse ebenfalls von Anfang an fest…

Ich brauche eigentlich gar nicht viel kommentieren, meine Ansichten stehen hier ja :)

Trotzdem ist es spannend zu lesen, wie jemand anderes das alles erlebt…!

Maries Erfahrungen

Stilles Wochenende

2. September 2010

Wir haben fast ein Jahr lang nicht mit einander geredet. Unsere Leben gingen weiter. Wir haben Dinge erlebt, belebt und am Ende unsere Freundschaft wiederbelebt. Es war komisch. Es gab Kuchen und alles war wie früher, als hätte es das Jahr nicht gegeben, welches nun eigentlich zwischen uns stand. Ich war nicht wütend. Enttäuscht, aber nicht wütend. Und ihr tat’s Leid. Aber das stand gar nicht zwischen uns. Wir haben geredet, gelacht, geschwiegen, geträumt, geplant. Nebenbei haben wir uns die Erlebnisse eines ganzen Jahres am schönsten Platz in ganz Krempe erzählt, als ob es höchstens ein verlängertes Wochenende war. Silvester, Weihnachten, Geburtstage, Babypartys, Gilde und Kieler Woche. Seit dem scheint sich ihre Haarfarbe und meine Lippenfarbe verändert zu haben und sonst ist es wie immer. Wie sollte es auch sonst sein? Kein Streit lag dazwischen. Nur ein Jahr Stille. Zugegeben, diese Stille hat mich schrecklich gequält, sie hat mich einsam gemacht und ich bin an ihr nahezu verzweifelt. Aber sie war eben nur Stille und kein großer Knall. Kein Streit. Keine bösen Worte. Das Nichts stand dazwischen.

Und trotzdem war es wie ein Besuch in Belgien: Jemand, den man wahrscheinlich nie wieder sehen wird. Und deswegen wird auch nix geplant – denn das hatte ich mich nicht getraut. Zu sagen „Ey hier, lass mal…“ Das war komisch. Nicht, dass da wieder Stille sein würde…


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